rezension

Einmal im Jahr für immer | Sarah Ricchizzi

Einmal im Jahr für immer von Sarah Ricchizzi
Einzelband
epubli | 342 Seiten | Print 9,99€ ; E-Book 1,99€
Ansehen? bei Sarah ; Amazon

Klappentext

Was bedeutet eigentlich Leben?

Math ist tot.
Und Amelie Red fragt sich, weshalb sie noch weiterleben soll.
Wozu den Schein wahren, wenn der Tod so schwer auf ihr lastet?
In ihrer Trauer um ihren verstorbenen Ehemann, vergisst Amelie Red, wer sie einst gewesen ist und verliert sich in ihrer eigenen Gedankenwelt.
Dann klopft ein Clown unerwartet an ihre Badezimmertür und sprengt ihr Leben mit Abenteuern, die sie nicht erleben will.
Ein Clown lässt sich allerdings nicht so einfach ignorieren, schon gar nicht, wenn im eigenen Treppenhaus ein Regenbogen erscheint, eine Hüpfburg im Wohnzimmer thront und sie das Haus nicht mehr durch die Haustür, sondern durch ein Fenster betreten muss.
(Quelle: Amazon)

Meine Meinung

Ich habe nicht erwartet, dass ich eine Geschichte so skurril und gleichzeitig so unfassbar traurig finden könnte. Nach Mathiews Tod verliert Amelie sich vollkommen in ihrer Trauer. Sie schafft es kaum mehr, freiwillig das Haus zu verlassen, bricht alle Kontakte zur Außenwelt ab und trauert, still und leise, ganz allein. Ich vermag mir nicht vorzustellen, wie unendlich hart es sein muss, seine große Liebe, seinen Ehepartner, seinen Seelenverwandten zu verlieren.
Im ersten Drittel des Buches hatte ich auch große Schwierigkeiten, mich in Amelie einzufinden. Der Schreibstil passte zwar einerseits zu den Gedanken, die Amelie äußerte, aber kam mir insgesamt zu verworren und undurchsichtig vor. Es fiel mir wirklich schwer, am Ball zu bleiben und weiterzulesen, weil ich den Sätzen kaum folgen konnte. Dennoch war die Trauer, die sich als roter Faden durch die ganze Geschichte zieht, von der ersten Seite an zu spüren.

Der Clown half mir im ersten Moment auch nicht, besser in das Buch zu finden. Als ich den Klappentext las, habe ich den Clown irgendwie mehr als Metapher gesehen und nicht erwartet, das tatsächlich ein gottverdammter Clown mit Schminke und allem, was dazugehört, plötzlich in Amelies Badezimmer steht. Für eine Geschichte, die von Beginn an so viel Schmerz ausstrahlt, war mir das Ganze einfach zu absurd, um es akzeptieren zu können. Erst nach und nach merkte ich, dass dieser skurrile Aspekt in der Geschichte erheblich dazu beitrug, sich mit der Tragik der Geschichte beschäftigen zu können, ohne daran zu zerbrechen. Mit den Kapiteln wurde der Schreibstil für mich immer flüssiger, Amelies Gefühle und Gedanken verständlicher und wie auch Amelie, akzeptiere ich irgendwann einfach, dass dieser verrückte Clown ein Teil von allem war.

Ich realisierte immer mehr, dass der Clown exakt das war, was dieses Buch brauchte, um es besonders zu machen. Obwohl ich oft schmunzeln oder sogar herzlich lachen musste, weil der Clown immer wieder die wahnwitzigsten Sachen anstellte, blieb die bedrückende Grundstimmung bis zur letzten Seite vorhanden. Denn wie es auch in der Geschichte aufgezeigt wird, hört es niemals auf, wehzutun. Man kann nur seinen eigenen Weg finden, mit dem Verlust und diesem tiefensitzenden Schmerz umzugehen. Die Autorin hat sich auf eine besondere, bewundernswerte Weise mit dem Thema auseinandergesetzt und am Ende konnte ich mir kaum vorstellen, wie man all diese treffenden Worte zu Papier bringen kann, wenn man es nicht selber erlebt hat. Vor dieser Leistung habe ich ganz großen Respekt. Trotz der Startschwierigkeiten, habe ich mich mit der Zeit in dieser Geschichte verloren und war ein nervliches Wrack, als ich das Buch, nach dem Lesen der letzten Seite, zugeschlagen habe. Ich habe mit Amelie getrauert, in den verschiedensten Phasen. Ich hätte den Clown oft gerne gepackt und ihm sein Clownsgrinsen aus dem Gesicht gewischt, weil er mich so wütend gemacht hat. Gleichzeitig war ich ihm unendlich dankbar für alles, denn ohne ihn hätten Amelie und das ganze Buch nicht funktioniert. Ein weiterer Aspekt, für den ich Sarah Ricchizzi und ihr Buch unfassbar liebe, war die Darstellung von Depressionen – als das, was sie sind. Die Depression ist eine Krankheit. Für die meisten Betroffenen ist es ein täglicher Kampf, ein kräftezehrender Versuch, sich nicht von dieser Krankheit unterkriegen zu lassen. Aber wie auch bei anderen Krankheiten, kann nicht jeder diesen Kampf gewinnen. Für Außenstehende ist es oft unbegreiflich, aber es ist so unfassbar wichtig, dass Depressionen akzeptiert und nicht kleingeredet werden. Man ist nicht nur ein bisschen traurig, man ist nicht zu wehleidig, zu schwach oder was auch immer. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Autorin, dafür, dies verstanden zu haben und es in ihrer Geschichte widerzuspiegeln!

Auch wenn ich mich erst in das Buch einfinden musste, hat es mich insgesamt wahnsinnig fasziniert und begeistert. Es war schön, schmerzhaft, tieftraurig, lustig und hat mich fast sprachlos zurückgelassen, womit es sich einen der obersten Plätze in der Kategorie Cookiebrownie verdient hat.

Foto: Angelique Dapper

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