rezension

Die Stille meiner Worte | Ava Reed

Die Stille meiner Worte von Ava Reed
Einzelband
Ueberreuter Verlag | 320 Seiten | Print 16,95€ ; E-Book 14,99€
Ansehen? Amazon ; Verlag

Klappentext

Hanna hat ihre Worte verloren. In der Nacht, als ihre Zwillingsschwester Izzy ums Leben kam. Wer soll nun ihre Gedanken weiterdenken, ihre Sätze beenden und ihr Lachen vervollständigen?
Niemand kann das. Egal, was Hannahs Eltern versuchen, sie schweigt.
Um Izzy nicht loslassen zu müssen, schreibt sie ihr Briefe. Schreibt und verbrennt sie. Immer wieder.
Hannah kann der Stille ihrer Worte nicht entkommen. Bis sie Levi trifft, der mit aller Macht versucht herauszufinden, wer sie wirklich ist…
(Quelle: Ueberreuter Verlag)

Meine Meinung

Mit dem Verlust ihrer Zwillingsschwester, verlor Hannah auch einen Teil von sich selbst.
Und die Fähigkeit zu sprechen.

Obwohl Hannah nicht mehr spricht, hat sie so viele Worte, die mich berührt haben und immer noch in meinem Kopf nachhallen. Ava Reed hat ihrer Protagonistin durch ihren wunderschönen, metaphorischen Schreibstil eine Stimme geschenkt.
“Die Stille meiner Worte” hat mich von der ersten Seite an in ein tiefes Loch gerissen, in dem ich Stück für Stück zersplittert bin. So wie auch Hannah immer mehr auseinandergebrochen ist. Ihre Stimmung, ihre Gedanken und Gefühle waren für mich so deutlich zu spüren, dass ich kaum damit umgehen konnte und mir wünschte, Hannah ihren Schmerz auf irgendeine Art und Weise nehmen zu können. Doch das Einzige, was ich tun konnte, war ihr Leid zu teilen und mit Hannah gemeinsam zu versuchen, nicht in der Stille zu ertrinken.

Aus vielen Gründen habe ich mich an manchen Stellen in Hannah wiedererkannt und auch wenn die Situation eine völlig andere ist, hatte ich das Gefühl, sie zu verstehen. Ihre Ängste, Sorgen, Zweifel und Selbstvorwürfe.
Doch dann war da Mo, ein Glückskater, der schmerzhafte Erinnerungen und Trost zugleich mit sich brachte. Und dann kamen Levi, Sarah, Lina und Ben, die nicht nur Hannah, sondern auch mir gezeigt haben, dass es okay ist, auch mal nicht okay zu sein.

Hannah hat mich mit der Stille ihrer Worte tief berührt und ich weine jede Sekunde, in der ich an ihre Geschichte zurückdenke. Dieses Buch ist so viel mehr, als ich selber in Worte fassen könnte und ich bin Ava Reed unendlich dankbar dafür, dass sie Hannahs Geschichte geschrieben hat. Aber es ist nicht nur die Geschichte von Hannah – es ist auch die von Hannahs Eltern, Levi, Lina, Sarah und so vielen anderen, die lernen müssen, nicht in ihrem Schmerz und der Trauer zu versinken. Damit ist die Geschichte auch ein Teil von mir geworden.

Im Gegensatz zu ihr habe ich eine Stimme, aber trotzdem oft das Gefühl, nicht gehört zu werden. Nicht verstanden zu werden. Und manchmal reichen Wörter auch einfach nicht aus, um wirklich auszudrücken, was man gerade denkt, fühlt und durchmacht.
Manchmal fühle ich mich, als wären unsichtbare Mauern um mich herum, die mich von allem abschirmen, obwohl ich eigentlich dazugehören will. Irgendwie “normal” sein will.

“Bin ich kaputt?”

Genau wie Hannah und wahrscheinlich viele andere Menschen, stelle auch ich mir diese Frage hin und wieder. Und nach Hannahs Geschichte weiß ich, dass es nicht schlimm ist, sie mit ja zu beantworten. Denn so, wie wir manchmal Stück für Stück auseinanderfallen, können wir auch wieder zu uns selbst finden.
Auf Grund dieser Botschaft, der Umsetzung und den Gefühlen, die “Die Stille meiner Worte” in mir ausgelöst hat, ist es für mich ein absolutes Highlight und einfach fantasieweltentastisch.

“Ich bin das dritte Rad, das zu viel ist an einem Fahrrad und zu wenig hergibt für ein Auto. Ich bin das Eis in der Antarktis, der Sand in der Wüste, ich bin die Sonne in der Karibik, der Baum im Wald und das Klee im Gras – ich bin etwas, das schon da ist. Sie brauchen mich nicht.”

aus “Die Stille meiner Worte” (S.37)

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