rezension

Fuchsnacht – Nimm meine Hand und sieh | Julia Mayer

Fuchsnacht – Nimm meine Hand und sieh’ | Julia Mayer | 320 Seiten | Drachenmond Verlag | Softcover 14,90 ; eBook 4,99€ | ISBN 978-3-95991-075-0
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“Ich bin nicht mehr hier, ich bin eine Zelle in diesem zerschundenen Körper, aber ich bin nicht die Seele, die jede Bewegung steuert.”
#Cover

Das Cover von Fuchsnacht war mein erster Kaufgrund. Ich liebe den Farbverlauf und die Rahmen. Außerdem hat die Darstellung des Fuchses etwas ganz besonderes und fällt einfach gleich ins Auge. Ein schönes, harmonisches Cover – das eine viel tiefgründigere Geschichte verpackt, als man glaubt.

#Klappentext
Emil Matthei hat es im Leben nicht leicht. Sein Haar hat die Farbe von Karottensaft, er ist Besitzer einer mageren Hühnerbrust und hat sich in der Schule mit seiner Rolle als Mobbingopfer abgefunden. Daheim kümmert er sich um seinen an einer Psychose erkrankten Vater, in der ständigen Angst, zu seinem brutalen Onkel abgeschoben zu werden. Doch alles ändert sich, als Emil nach einem Unfall in der Leichenhalle wieder erwacht: Nachts ein Mensch, tagsüber ein Fuchs, nehmen ihn drei andere Fuchsdoppel unter ihre Fittiche, damit er sich nicht einer der rivalisierenden Gangs anschließen muss. Besonders zu Timon entwickelt sich eine Verbindung, die weit über Freundschaft hinausgeht, und zum ersten Mal fühlt Emil sich dazugehörig und verstanden.

Doch als mehr und mehr ihresgleichen spurlos verschwinden, steht nicht nur Emils Leben, sondern auch die Zukunft aller Fuchsdoppel auf dem Spiel, und schon bald muss er eine Entscheidung treffen: Wird er weiterhin davonlaufen oder sich alten und neuen Herausforderungen stellen?

#Meine Meinung
Ich hatte wirklich sehr viel von diesem Buch erwartet – und diese Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Diese Geschichte geht so viel tiefer, als Klappentext und Cover es vermuten lassen und steckt voller Überraschungen – die nicht immer nur schön sind. Wer dieses Buch lesen möchte, sollte sich vorher bewusst sein, dass es kein einfacher Teenie-Fantasy-Roman ist. In Fuchsnacht werden viele schwierige Themen behandelt, wie z.B. Mobbing und Psychosen, welche von der Autorin mit genau dem richtigen Feingefühl angegangen wurden. Jedoch ist auch dies nur ein Teil der Geschichte – es zeigt, wie wichtig Familie und Freunde sind, was Freundschaft wirklich bedeutet und das Liebe keine Grenzen kennt – weder bei dem Geschlecht noch sonst wie.

Der Protagonist Emil muss mit so ziemlich jedem Problem kämpfen, dass man sich vorstellen kann. Sein Vater ist krank, sein Onkel schlägt ihn, seine Mitschüler mobben ihn und er fühlt sich zu anderen Jungs hingezogen und ist sehr verunsichert. Das alles ganz alleine zu bewältigen ist schlichtweg nicht möglich. Durch die Flucht von seinem Zuhause beginnt ein neues Leben für ihn, welches jedoch nicht weniger Probleme bereitet. Emil ist alles andere als selbstbewusst, zwischendurch etwas weinerlich, was aber für sein Alter und seine Situation mehr als verständlich ist. Alles in allem war er für mich ein durchweg sympathischer Charakter, mit dem man gelitten, gelacht und geliebt hat.

Nachdem Emil sich plötzlich bei Sonnenaufgang in einen Fuchs verwandelt, trifft er auf Timon, Biggers und Kara, welche ebenfalls Fuchsdoppel sind. Timon ist zu Beginn sehr zurückhaltend, grob und geheimnisvoll. Kara hingegen wirkt wie ein strahlender Sonnenschein, sie nimmt Emil sofort in die Gruppe auf und ist wirklich sehr liebenswert. Von Biggers erfährt man anfangs nicht viel, aber er hat irgendwie einen “großer Bruder”-Charme, der ihn auch total sympathisch macht. Mit jeder Seite habe ich die ganze Bande mehr und mehr in mein Herz geschlossen und fand sie einfach toll. Hier zeigten sich die Aspekte Familie, Freundschaft und Liebe von einer schönen Seite und besonders Emil macht durch seine neuen Freunde eine große Entwicklung durch.

Nach einigen spannenden Ereignissen und dem Verschwinden einiger Fuchsdoppel, kam dann ein riesiger Hammer, der mich unerwartet getroffen und mir die Luft genommen hat. Total plötzlich nahm die Geschichte so eine heftige Wendung, dass ich meinen Mund vor staunen gar nicht mehr zubekommen habe. An dieser Stelle nochmal – Fuchsnacht ist absolut nichts für zart besaitete Personen. Im ersten Moment wollte diese Wendung in meinem Kopf nicht zu der Geschichte passen, jedoch kam hier einfach nochmal die ungeschönte Wahrheit.

Obwohl die Autorin einen wunderschönen, poetischen Schreibstil hat, waren diese Szenen einfach heftig, brutal und unglaublich spannend. Julia Mayer hat in jeder Situation, egal ob schön, traurig oder brutal, immer die richtige Wortwahl getroffen und mich als Leserin durch unfassbar viele Themen geführt, die mich noch lange danach beschäftigt haben.

#Fazit
Fuchsnacht werde ich auf jeden Fall noch sehr, sehr lange in Erinnerung behalten. Diese Mischung aus ernsten Themen und einer bitter-schönen Fantasygeschichte lässt einen nicht mehr so schnell los. Julia Mayer ist eine begabte, junge Autorin, die meiner Meinung nach noch viel erreichen kann. Ich bin einfach nur begeistert von diesem Buch, der Idee, der Umsetzung und Julias Feinfühligkeit, jedes Thema in den richtigen Worten zu verpacken.

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